Dienstag, 17. März 2015
Vasco - Nova Iguaçu, 5:1
Vasco ist Tabellenführer in der Riomeisterschaft. Das wurde von 13.000 Zuschauern gewürdigt, die am Sonntag richtig gut Stimmung gemacht haben. Nova Iguaçu wird wohl eher absteigen. Vor dem Spiel waren wir bei der neuen Küchensensation Rio de Janeiros: dem Casa do Sardo. Ein Italiener der es gewagt hat in São Cristóvão zu eröffnen. Mit Riesenerfolg: Ich habe auch die Warteschlange fotografiert.
Das war übrigens der Tag, an dem es erneut zu Massendemos kam, mit insgesamt über 1 Million Menschen auf der Straße. Ich habe das natürlich ignoriert. Es gab den Wunsch nach Militärintenvention und Hakenkreuze. Für mich ist das eine brasilianische Pegida. Leute die gut verdienen und gut gebildet sind, aber irgendwie mit dem Leben unzufrieden sind.
Freitag, 24. Oktober 2014
Wahlen in Brasilien 2014
Am kommenden Sonntag 26.10.2014 gehen die
brasilianischen Wahlen in die Stichwahl. Die Sitzverteilung der Landtage, des
Nationalparlaments, des Senats und eines Großteils der Governeure wurden schon
im ersten Wahlgang am 05.10.2014 entschieden. Somit stehen für Sonntag noch die
Stichwahlen für insgesamt 16 Governeure und, am wichtigsten, für das
Präsidentenamt an.
In der Präsidentschaftswahl stehen sich
Amtsinhaberin Dilma Rousseff (PT) und Herausforderer Aécio Neves (PSDB) gegenüber.
Laut den Meinungsumfragen von gestern, 23.10.2014, scheint es, als ob die
Amtsinhaberin ihr Amt verteidigen kann:
Dilma Rousseff = 53%
Aécio Neves = 47%
Ich habe noch im Juli, also kurz nach der WM,
folgendes Foto eines Wahlplakats gemacht:
Es zeigt den Kandidaten der Arbeiterpartei PT
Lindberg auf das Amt des Governeurs von Rio de Janeiro. In Brasilien ist es
üblich, dass die Kandidaten ihre Allianzen auf den Plakaten angeben. Im Falle
Lindbergs ist das auf Präsidialebene, wenig verwunderlich, die Parteikollegin
Dilma Rousseff (links unten). Aber direkt daneben wird er von dem Kandidat der
PSB auf das Amt des Senators, dem Ex-Nationalstürmer, Romário (PSB)
unterstützt. Das ist überraschend.
Romário hat seine ganze politische Karriere
auf der Kritik der Sportgroßereignisse und somit der Kritik der Regierung
Dilmas aufgebaut. Sobald aber die WM vorbei war hat er, als Politiker der PSB,
die einen eigenen Kandidaten auf das Präsidentenamt[1]
hatte, eine Allianz mit der
Regierungspartei PT geschlossen.
Aber damit nicht genug der Wankelmütigkeit. Gestern
Abend hat Romário eine erneute Kertwende betrieben und eine Wahlwerbung mit dem
Oppositionskandidaten Aécio Neves (PSDB), den er im Juni noch heftig kritisiert
hat, aufgenommen. Damit hat es Romário geschafft seinen Namen in nur vier
Monaten mit den drei wichtigsten Präsidentschaftskandidaten in Verbindng zu
bringen. Und: Romário wurde mit über 60% zum Vertreter Rio de Janeiros im
brasilianischen Senat gewählt. Unglaublich. Aber das ist vielleicht der
perfekte Ausdruck der brasilianischen Politik.
[1] Der Kandidat der PSB war Eduardo Campos, der am 13.08.2014 bei einem
Flugzeugabsturz ums Leben kam. Er wurde daraufhin durch Marina Silva ersetzt,
die im ersten Wahlgang mit 21% der Stimmen auf den dritten Platz kam.
Sonntag, 19. Oktober 2014
Madureira – CRB, 1:2
Langsam geht mein WM-Kater zu Ende und ich kann mir mal
wieder ein Spiel ansehen. Ausgesucht habe ich mir das Viertelfinale der dritten
brasilianischen Liga zwischen Madureira und CRB aus Maceió in Alagoas. Ich kam
etwas zu spät und wurde mit einer Menschenmenge vor verschlossenen Türen
konfrontiert. Brasilianer sind wahre Meister Probleme zu kreieren. Es gab eine
Aktion, der zu Folge alle Fans mit Trikot das Spiel gratis sehen durften.
Irgendwie hat das zu so großem Ansturm geführt, dass es zu Tumulten am Eingang
kam. Die Polizei hat dann beschlossen die Tore zu schließen und niemanden mehr
ins Stadion zu lassen.
Ich habe meinen Presseausweis vorgezeigt und bin dann doch
irgendwie ins Stadion gekommen. Da stand es schon 0:1. Es war schön das Stadio
in Madureira gut gefüllt, aber nicht ausverkauft, zu sehen. Die Stimmung war
gut, da nicht nur die Torcida gesungen hat, sondern auch eine Blaskapelle
gespielt hat. Der Gästeblock war gut gefüllt, da sich mehrere Busse auf die
etwa 24 stündige Reise aus Maceió gemacht hatten. Das Spiel war schlecht und
Madureira eigentlich überlegen, aber ein fürchterlicher Abwehrfehler entschied
dann das Spiel. Nächstes Wochenende gibt es immerhin noch die Chance das Spiel
in Maceió umzudrehen.
Madureira hat 1960 ein paar Freundschaftsspiele in Kuba
absolviert und dabei Che Guevara getroffen. Die Sondertrikots verkaufen sich
sehr gut.
Nach dem Spiel sind Leda und ich in die Kneipe Sobral da
Serra in Osvaldo Cruz, gleich bei Madureira. Die Kneipe ist schön mit Holz
verlkleidet, aber etwas unaufgeräumt. Der Chef Sobral hat uns persönlich
empfangen und die Karte vorgestellt. Sehr sympathisch! Wir haben eine
Kabeljauvorspeise und dann Ochsenschwanz bestellt. Beides sehr gut. Der
Ochsenschwanz eventuell etwas zu fettig. Sobral hat auch eine überraschende Bierkarte.
Leider ist die Kneipe schlecht gelegen: an einer Durchfahrtsstrasse. Somit
waren wir die einzigen Gäste.
Montag, 14. Juli 2014
Mittwoch, 9. Juli 2014
Wm 27. Tag: Mineiraço
Vorrundenspiele gegen Saudi-Arabien gehen 8:1 aus, aber nicht Halbinals gegen Brasilien. Wir waren mit unserer Fanbotschaft an der Franziscus-Kirche beim Stadion. Die brasilianischen Fans kamen noch sehr gut gelaunt bei uns vorbei. Einige sangen sogar "Zieht den Deutschen die Lederhosen aus.". Es war richtig Auswärtsspielstimmung. Was dann passiert ist, hat ja jeder gesehen und war so unglaublich surreal. Das wird wohl niemand so schnell vergessen.
Nach dem 5:0 sind mir dann zum ersten Mal kleinere Streitereien zwischen den Brasilianern aufgefallen. Mehrere wurden des Stadions verwiesen. Die Tribünen kamen dann nicht mehr zur Ruhe, aber ich habe keine einzige Aggression gegen Deutsche gesehen. Neben mir begannen 3 Deutsche sich zu entkleiden und ihren Deutschland-Stringtanga zu zeigen. Die Ordner schritten natürlich ein. Dahinter schrie eine Frau: "Schmeiß sie raus, meine Tochter ist hier". Da waren die Strings am Strand vergessen. Aus dem ganzen Land werden inzwischen gewaltätige Auseinandersetzungen bei den Fanfesten gemeldet.
Die deutschen Fans wurden aufgefordert im Stadion zu bleiben, was sie auch mit Freude taten. "Auswärtssieg, Ohne Deutschland wär hier gar nix los, Finale, Rio de Janeiro, usw", wurde gesungen. Weit nach dem Anpfiff kam miro Klose nochmal zu den Fans, später Müller, Boateng und Mertesacker. Großkreutz ging in die Fankurve für ein Humba.
Danach gingen alle glücklich in die Kneipen Belo Horizontes. Wir gingen ganz in der Nähe des Stadions was Essen. Danach fuhren wir in das Kneipenviertel Savassi, das aber gerade von der Polizei geräumt wurde, da es Ausschreitungen gab.
Nach dem 5:0 sind mir dann zum ersten Mal kleinere Streitereien zwischen den Brasilianern aufgefallen. Mehrere wurden des Stadions verwiesen. Die Tribünen kamen dann nicht mehr zur Ruhe, aber ich habe keine einzige Aggression gegen Deutsche gesehen. Neben mir begannen 3 Deutsche sich zu entkleiden und ihren Deutschland-Stringtanga zu zeigen. Die Ordner schritten natürlich ein. Dahinter schrie eine Frau: "Schmeiß sie raus, meine Tochter ist hier". Da waren die Strings am Strand vergessen. Aus dem ganzen Land werden inzwischen gewaltätige Auseinandersetzungen bei den Fanfesten gemeldet.
Die deutschen Fans wurden aufgefordert im Stadion zu bleiben, was sie auch mit Freude taten. "Auswärtssieg, Ohne Deutschland wär hier gar nix los, Finale, Rio de Janeiro, usw", wurde gesungen. Weit nach dem Anpfiff kam miro Klose nochmal zu den Fans, später Müller, Boateng und Mertesacker. Großkreutz ging in die Fankurve für ein Humba.
Danach gingen alle glücklich in die Kneipen Belo Horizontes. Wir gingen ganz in der Nähe des Stadions was Essen. Danach fuhren wir in das Kneipenviertel Savassi, das aber gerade von der Polizei geräumt wurde, da es Ausschreitungen gab.
Sonntag, 6. Juli 2014
Der Brief eines WM-Reisenden
http://www.fanguide-wm2014.de/news-04072014.html
Hallo
miteinander,
nachdem
ich nun vier Spiele der deutschen Elf live vor Ort erlebt habe, möchte ich euch
gerne mal ein paar Eindrücke schildern. Vorweg: Für Fußballfans ist es im
Stadion schwer zu ertragen.
Wie
geht es zum Stadion?
Je
nach Austragungsort war der Weg zum Stadion unterschiedlich attraktiv.
Großartig in Salvador, weil fußläufig erreichbar und gut ausgeschildert.
Ebenfalls sehr gut in Porto Alegre, wo die Stadt den Fußweg „Camhinho de Gol“,
der immerhin 4,5 km lang war, sehr attraktiv gestaltet hat und es dann
kurzfristig sogar ermöglicht hat, dass sich die deutschen Fans gemeinsam auf
den Weg machen. In Fortaleza war es schon deutlich komplizierter und in Recife
chaotisch. Das lag zum einen an der Lage des Stadions 30 Kilometer außerhalb
der Stadt und an den apokalyptischen Regengüssen während des gesamten Tages.
Nicht wenige Fans kamen zu spät oder überhaupt nicht ins Stadion, was man an
den Lücken im Stadion auch gut erkennen konnte.
Der
öffentliche Nahverkehr scheint mir nur mäßig ausgebaut zu sein. Er besteht
überwiegend aus Bussen, deren Fahrplan für Ausländer jedoch ziemlich schwer zu
durchschauen ist. Selbst für Brasilianer/innen ist es nicht immer ganz einfach.
Die im Vorfeld der WM angekündigten Schnellbusse, die die Fahrt zu den Stadien
verkürzen sollten, habe ich so gut wie nicht gesehen.
Am
Stadion angekommen, weisen einem unzählige Volunteers den Weg, eine wirkliche
Ausschilderung – „Signing“ in Neudeutsch – ist nicht unbedingt wahrnehmbar.
Englisch spricht so gut wie niemand. Die Volunteers und die Ordner machen im
Umgang mit den Besucher/innen den Eindruck, als wären sie eine von der FIFA
konstruierte und programmierte Armee von Robotern. Absolut unflexibel, unfähig
zu kommunizieren oder eigenständig zu agieren, setzen sie die Vorgaben der FIFA
um, seien diese auch noch so unsinnig.
Schirme
verboten
Zum
Beispiel Porto Alegre: Dort wurden wo die Besucher/innen gezielt animiert, den
Weg zum Stadion zu Fuß zurückzulegen. Da es auch hier öfter regnete, nahmen
viele natürlich Schirme mit zum Stadion. Diese mussten jedoch am Stadioneingang
– aus welchen Gründen auch immer – abgegeben werden. Wenn man nach dem Spiel
seinen Schirm wieder abholen wollte, waren die Ordner total verdutzt und
suchten dann pro forma in den nahegelegenen Mülltonnen, obwohl allen klar war,
dass die Schirme schon lange nicht mehr da waren. Ebenso unsinnig ist das
Verbot, Kugelschreiber mit in die Stadien zu nehmen, diese verschwanden
ebenfalls auf Nimmerwiedersehen. Zu gerne würde man mal nach den Hintergründen
für diese Vorgaben fragen. Fakt ist, wenn es nach der FIFA geht, soll man sich
vollregnen lassen und wenn man das nicht will, bekommt man am Stadion den
Schirm gestohlen.
Worauf
die Männer und Frauen des Ordnungsdienstes in den Stadien ebenfalls mit
Argusaugen achten: Es dürfen keine Fahnen hängen, da sind sie rigoros und holen
gerne die Polizei zu Hilfe. Aber auch in Porto Alegre haben sie am Ende
aufgegeben, und viele Fahnen und Banner blieben hängen. Desweiteren achten
die Ordner ganz akribisch darauf, dass sich keiner – außer zur
La-Ola-Welle – von seinem Platz erhebt und dass niemand raucht. Da sind sie
wirklich sehr streng und konsequent. Aber selbst viele Nichtraucher finden es
irgendwie absurd, dass bei einer Open-Air-Veranstaltung versucht wird, ein
Rauchverbot durchzusetzen und dann auch noch mit dieser absoluten
Verbissenheit.
Was
gibt’s zu trinken und wie wird man das wieder los?
Die
Verpflegung besteht aus den ewiggleichen normierten Produkten der ewiggleichen
Werbepartner der FIFA, ist dementsprechend langweilig und beispielsweise für
Vegetarier eine Katastrophe. Gab es nicht die Ankündigung, dass man
landestypische Verpflegung anbieten wollte? Jedenfalls, nichts zu sehen davon!
Oft ist es auch noch so, dass nur Teile der Angebotspalette vorhanden sind. Den einfachen Cheeseburger habe ich zumindest noch nirgends gesehen, nur den teureren Doppelcheeseburger. Eine schöne Idee ist jedoch, dass die pfandfreien Becher, in denen die Getränke ausgeschenkt werden, durch die Fahnen der sich auf dem Rasen gegenüberstehenden Teams in der Vorrunde einen persönlichen Erinnerungswert gewinnen. Viele Fans haben mindestens einen Becher mit nach Hause genommen.
Oft ist es auch noch so, dass nur Teile der Angebotspalette vorhanden sind. Den einfachen Cheeseburger habe ich zumindest noch nirgends gesehen, nur den teureren Doppelcheeseburger. Eine schöne Idee ist jedoch, dass die pfandfreien Becher, in denen die Getränke ausgeschenkt werden, durch die Fahnen der sich auf dem Rasen gegenüberstehenden Teams in der Vorrunde einen persönlichen Erinnerungswert gewinnen. Viele Fans haben mindestens einen Becher mit nach Hause genommen.
Das
Personal an den Ständen ist, sagen wir mal, suboptimal auf den Andrang
eingestellt. Für die Brasilienkenner ist das aber keine Überraschung, denn auch
im Alltag ist vieles kompliziert und bürokratisch organisiert und, man muss es
so deutlich sagen, funktioniert oft nicht. Wenn man es gewohnt ist, schnell und
effektiv bedient zu werden, dann fällt die Umstellung auf die brasilianische
Art für viele schwer. Geduld ist somit eine gefragte Eigenschaft.
Auch
für den Toilettengang werden Volunteers abgestellt, die den Einlass regeln,
natürlich ohne genau sehen zu können, wie die Situation in den „Sanitarios“
aussieht. So kann es passieren, dass sich vor den Toiletten lange Schlangen
bilden und wenn man dann dran kommt, feststellt, dass die Toilette höchstens
zur Hälfte gefüllt ist. Aber Hauptsache wieder ein neuer Bereich, der nach
FIFA-Vorgaben organisiert und reglementiert wird.
Wie
wird das Spiel präsentiert?
Auch
hier ist der Ablauf vollständig normiert, ohne jeglichen Pep und in jedem
Stadion bis auf die Nationalhymnen gleich. Die Mannschaftsaufstellungen werden
mindestens eine halbe Stunde vor Spielbeginn bekannt gegeben, sodass ein großer
Teil der Zuschauer keine Chance mehr hat, zu erfahren, wie der Gegner
spielt. Die FIFA verzichtet bekanntlich auf Spielprogramme, in die man
wenigstens die jeweiligen Kader mit Rückennummern aufnehmen könnte. Zum Glück
gibt es HELMUT, das Fanzine der Fanbetreuung, in dem Fußballinteressierten
erfahren können, wie beispielsweise die spielstarke Nummer 11 der Algerier
heißt.
Während des Spiels wird die Partie gleichzeitig auf den Anzeigetafeln gezeigt. Wie im TV schwenken in den Unterbrechungspausen die Kameras ins Publikum, mit Vorliebe auf Kinder und junge attraktive Frauen, die dann anfangen aufzuspringen, zu winken und zu jubeln, auch wenn ihr Team gerade das 0:3 kassiert hat.
Während des Spiels wird die Partie gleichzeitig auf den Anzeigetafeln gezeigt. Wie im TV schwenken in den Unterbrechungspausen die Kameras ins Publikum, mit Vorliebe auf Kinder und junge attraktive Frauen, die dann anfangen aufzuspringen, zu winken und zu jubeln, auch wenn ihr Team gerade das 0:3 kassiert hat.
Den
Eindruck, dass die FIFA im Grunde kein Interesse am Fußball als Sport hat –
Stichwort Katar – gewinnt man somit auch während der WM genau dort, wo es um
den Sport gehen sollte. In die Stadien kommen immer weniger wirkliche Fans,
sondern Menschen, für die es augenscheinlich nur interessant ist, an diesem
aufgepumpten Event teilzunehmen. Wie ist es sonst zu erklären, dass selbst bei
den langweiligsten Spielen spätestens in der 20. Minute die La Ola durch das
Stadion schwappt. Solcherlei Effekte werden gezielt durch die Kartenverteilpolitik
der FIFA befeuert. Um überhaupt die Chance, ein WM-Spiel live sehen zu können,
zu nutzen, bieten Millionen Menschen schon in der ersten Verkaufsphase auf die
zur Verfügung stehenden Tickets. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem noch nicht
einmal feststeht, wer in diesem Stadion überhaupt antreten wird. Das ist
ungefähr so, als würde man ein Ticket für die Frankfurter Festhalle kaufen und
weiß nicht, ob die Wildecker Herzbuben oder AC/DC auftreten. Ein Puzzleteil von
mehreren, das am Ende dazu beiträgt, dass erstens viele Karten in die Hände von
Menschen geraten, die dieses Spiel nicht unbedingt sehen wollen und deren
Tickets dann später wieder auf dem Schwarzmarkt landen, der dann – Treppenwitz
– vor Ort von FIFA und Justiz gnadenlos verfolgt wird. Und zweitens trägt
dieses System dazu bei, dass die Fans einer Mannschaft verstreut im Stadion
sitzen, wie auch in Brasilien wieder zu beobachten ist. Wenn die fünf kleineren
algerischen Blöcke und die vielen verstreut sitzenden deutschen Fans sich
jeweils in einem Block hinter den Toren hätten versammeln können, wäre bestimmt
eine fantastische Fußballstimmung in diesem am Schluss hochspannenden Spiel
entstanden. So kam nur vereinzelt eine richtig prickelnde Fußballatmosphäre
auf.
Aber
genau das scheint das Interesse der FIFA zu sein: vereinzelte Kunden im
Stadion, die brav konsumieren, willig die Welle mitmachen und sich im Übrigen
kritiklos den ganzen Zumutungen fügen.
So
schön und interessant ich es in Brasilien finde, mit den vielen liebenswerten
und improvisationsfreudigen Gastgebern, so interessant und leidenschaftlich
auch die sportlichen Leistungen der Mannschaften sind – das Stadionerlebnis
törnt mich im Grund wirklich ab.
Beste
Grüße aus Brasilien
Euer
Toni aus Frankfurt
Samstag, 5. Juli 2014
WM 23. Tag: Rio de Janeiro, Deutschland - Frankreich 1:0
Ich kenne das Maracanã ja sehr gut. Fast jedes Wochenende sehe ich dort irgendeine Gurkentruppe kicken. Da ist es schon seltsam das Stadion plötzlich nicht nur ausverkauft, sondern auch mit zwei guten Teams zu sehen. Rio de Janeiro war gestern in Aufregung, denn es gab das Spiel in der eigenen Stadt und danach das Brasilien-Spiel im Fernsehen. Die Stadt ist voller Menschen aus aller Welt. In Copacabana habe ich ein paar verstreute Demonstranten gesehen. Die Anfahrt zum Maracanã ist mit der Metro unkompliziert. Aber am Ausgang wurden schon 6 Mal die Tickets kontrolliert, was zu einem Fußgängerstau führte. Am Eingang wurde mir ein Kugelschreiber abgenommen. Im Stadion dauerte der Wasserkauf über 30 Minuten.
Zaunfahnen waren diesmal im Oberrang erlaubt, aber man konnte sie aus architektonischen Gründen kaum sehen. Auf dem Weg zum Stadion habe ich wieder mit Deutschen gesprochen, die die brasilianischen Zuschauer als aggressiv erlebt haben. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann auch wieder einen Tumult im Nachbarblock. Der Grund war wahrscheinlich eine Auseinandersetzung zwischen Flamenguistas und anderen Fans.
Das Spiel war sehr spannen und in der ersten Halbzeit hat mit die deutsche Mannschaft sehr gut gefallen. In der zweiten hat Neuer gerettet und die Stürmer müssten mehr treffen. Danach haben wir gefeiert. Jetzt gehts in BH gegen den Gastgeber. Ohne Neymar.
Zaunfahnen waren diesmal im Oberrang erlaubt, aber man konnte sie aus architektonischen Gründen kaum sehen. Auf dem Weg zum Stadion habe ich wieder mit Deutschen gesprochen, die die brasilianischen Zuschauer als aggressiv erlebt haben. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann auch wieder einen Tumult im Nachbarblock. Der Grund war wahrscheinlich eine Auseinandersetzung zwischen Flamenguistas und anderen Fans.
Das Spiel war sehr spannen und in der ersten Halbzeit hat mit die deutsche Mannschaft sehr gut gefallen. In der zweiten hat Neuer gerettet und die Stürmer müssten mehr treffen. Danach haben wir gefeiert. Jetzt gehts in BH gegen den Gastgeber. Ohne Neymar.
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