Mittwoch, 4. Dezember 2013

Rassismus bei der WM-Auslosung?

                                                               Foto: Divulgação

Brasilien ist schon seit Langem im WM-Fieber. Aber die Gruppenauslosung am kommenden Freitag bewegt die Gemüter besonders. Jetzt wurden Rassismus-Vorwürfe gegen die FIFA laut. Der für die Auslosungs-Show zuständige Fernsehsender Globo hatte die dunkelhäutigen Schauspieler Camila Pitanga und Lázaro Ramos vorgeschlagen. Die FIFA hat dagegen ihr Veto eingelegt und stattdessen die hellhäutigen Fernanda Lima und Rodrigo Hilpert ausgesucht. Ganz Brasilien fragt sich jetzt was der Grund dafür ist.
Fernanda Lima hat im Gegenzug ein sehr unglückliches Interview gegeben, indem sie gesagt hat, dass sie nicht versteht, warum sie so angegriffen wird. Sie würde doch immer brav ihre Steuern zahlen. Als ob das Eine etwas mit dem Anderen zu tun hätte!
Jeder Artikel zum Thema provoziert seitdem eine Unzahl an Kommentaren, die meist zeigen, wie wenig sich Brasilien mit seinem eigenen Rassismusproblem auseinander gesetzt hat. Viele leugnen diese Art von Diskriminierung weiterhin. Andere argumentieren, dass dunkelhäutige Moderatoren Brasilien besser repräsentieren würden. Der versteckte Rassismus dahinter, denn es schließt asiatisch-, europäisch und indigen-stämmige aus, ist scheinbar nicht klar.  
Schön wäre es, wenn nach Qualität und nicht nach Aussehen entschieden werden würde und da würde ich persönlich sicherlich Pitanga/Ramos vorziehen.

Es handelt sich aber auch um einen innerbrasilianischen Streit zwischen den Regionen. Während Camila Pitanga aus Rio de Janeiro (Südosten)und Lázaro Ramos aus Salvador (Nordosten), also dem Bundesstaat Bahia, in dem die Auslosung stattfindet, stammen, sind Fernanda Lima und Rodrigo Hilpert in den südlichen Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina geboren. 

Dienstag, 3. Dezember 2013

Mögliche Spielorte der deutschen Nationalmannschaft

Wenige Tage vor der Auslosung der WM-Gruppen kann man beginnen über die möglichen Spielorte zu spekulieren. Oder besser: Wünsche zu äußern. Bei den Wünschen kommt es natürlich auf den Standpunkt an: man kann sich zum einen, aus dem Blickwinkel der WM-Reisenden touristisch interessante Orte wünschen. Vom sportlichen Standpunkt der Mannschaft aus gesehen, wäre es eher vorteilhaft klimatisch günstige Orte mit kurzen Anfahrtswegen zu bevorzugen. 
Aus meiner Sicht sind die touristisch interessantesten Orte dieser WM: Rio de Janeiro, Salvador, Brasilia und Manaus. Die letzten drei Städte sind aber klimatisch anstrengend und Manaus führt zu dem längsten Anfahrtsweg. Die kürzesten Reiseverbindungen mit annehmbaren klimatischen Bedingungen findet man in Brasiliens Südosten: Rio de Janeiro, São Paulo und Belo Horizonte. Die schwierigsten Städte sind aus meiner Sicht: Cuiabá, Manaus, Brasilia, Fortaleza, Natal, Recife und Salvador (in dieser Reihenfolge, wobei Cuiabá der anstrengendste Ort ist). Die touristisch uninteressanteste Stadt ist Curitiba. Somit wäre mein erster Wunsch Cuiabá, Manaus und Curitiba zu vermeiden.
Schaut man sich die Gruppen an, so gibt es nur sieben Möglichkeiten für die deutsche Nationalmannschaft, denn Deutschland wird sicher als Gruppenkopf, also auf eine 1 gesetzt, und die A1 (São Paulo, Fortaleza, Brasilia) ist dem Gastgeber Brasilien reserviert. Somit bleiben B1 – H1. Daraus ergeben sich folgende Möglichkeiten:

B1: Salvador, Rio, Curitiba
C1: Belo Horizonte, Brasilia, Cuiabá
D1: Fortaleza, São Paulo, Natal
E1: Brasilia, Salvador, Manaus
F1: Rio, Belo Horizonte, Porto Alegre
G1: Salvador, Fortaleza, Recife
H1: Belo Horizonte, Rio, São Paulo

Die Gruppen B und C würde ich gerne wegen Curitiba und Cuiabá vermeiden. Die Gruppe D provoziert anstrengende Nord-Süd-Reisen. Gruppe G versucht die Reisewege zu verkürzen, da alle Orte in einer Region – Nordosten – angesiedelt sind. Das wäre der Idealfall für Strandurlauber, die Mannschaft hat aber wenige Ruhetage, wegen dem späten Turnierbeginn und es handelt sich um klimatisch sehr heiße Orte. Sollte Deutschland in diese Gruppe gelost werden, dann sollte der DFB unbedingt sein Mannschaftshotel im Nordosten und nicht im Südosten beziehen.
Somit sehen wir, dass die Gruppe E touristisch am interessantesten wäre. Außer Rio sind alle in dieser Kategorie genannten Städte vertreten und nach Rio käme man spätestens zum Finale. Aber für die Mannschaft wäre besonders das Spiel in Manaus schwierig. Auf der anderen Seite finden wir in der Gruppe H die kürzesten Reisewege, aber auch die wenigsten Ruhetage, da diese Gruppe den spätesten Turnierbeginn hat.

Eventuell stellt Gruppe F einen Kompromiss dar. Man würde mit Rio die Janeiro die interessanteste Stadt Brasiliens besuchen und hätte dann einen kurzen Weg nach Belo Horizonte. Das dritte Spiel führt zu einem weiten Weg nach Porto Alegre. Aber die Stadt befindet sich im kühlen Süden des Landes. In der KO-Runde würde man dann entweder São Paulo, Brasilia, São Paulo, Rio oder Brasilia, Rio, Belo Horizonte, Rio machen und somit ziemlich sicher mit Brasilia ein weiteres touristisches Highlight sehen. Außerdem würde man sich fast nur in der Südostregion bewegen und somit relativ kurze Wege haben.

Montag, 2. Dezember 2013

Fluminense – Atlético MG, 2:2


 In Belo Horizonte ist das Thema dieser Wochen die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft, die nächste Woche in Marokko beginnen wird. Atlético-MG ist dort der südamerikanische Vertreter und fiebert auf das Duell mit Bayern München hin. Die Kommentare während der samstäglichen Bundesligaübertragung spekulieren eigentlich nur über die Frage: „Ist es möglich Bayern zu schlagen?“
In der Liga hat Atlético-MG nichts mehr zu gewinnen oder zu verlieren. Man kann nicht mehr absteigen und der Platz im nächstjährigen Copa Libertadores ist, als Titelverteidiger gesichert. Somit wurden die Ligaspiele zu besseren Trainingseinheiten.


Ganz anders ist die Situation bei Fluminense. Die Dreifarbigen mussten unbedingt gewinnen, um im Abstiegskampf annehmbare Chancen zu haben. Dabei baute man auf die Unterstützung der Fans und verramschte regelrecht die Eintrittskarten: die teuersten kosteten R$10 (€3,5) und einige Kategorien waren für Mitglieder sogar umsonst. Dieses Angebot nahmen etwa 45.000 Fans war, um ihre Mannschaft in dieser dramatischen Situation zu unterstützen.


Überhaupt war der Zuschauerschnitt am vorletzten Spieltag sehr hoch: knapp 30.000. Nur beim Spiel der schon abgestiegenen Ponte Preta in Campinas kamen etwa 2.000 Zuschauer. In den anderen Stadien lockten die anstehenden Entscheidungen ein großes Publikum an.
Das Spiel war für Fluminense dramatisch. Denn, obwohl es für Atlético-MG um nichts mehr geht gelang Diego Tardelli in der 21. Minute das 1:0. Unter großer Anstrengung gelang dem Abwehrrecken Gum noch der Ausgleich vor der Halbzeitpause. Fluminense hat diese Saison eine unglaublich schlechte Mannschaft. Aber in der 53. Minute stand plötzlich Biro-Biro allein vor dem Tor und erzielte das 2:1 für die Heimmannschaft. Alles schien auf ein erneutes Rettungswunder Fluminenses hinauszulaufen.
Ich denke mir auch, dass das der Moment ist, in dem du deinem Gegenspieler in die Ohren zischen musst: „Wenn du aufs Tor schießt, breche ich die alle Knochen und du sagst tschüss zur Klub-WM.“ In so einer Situation der absoluten Verzweiflung gibt es einfach kein Fair Play mehr. Aber scheinbar hat das niemand gemacht.


Im Gegenteil: Fluminense zog sich zurück und Atlético-MG wurde immer offensiver. In der 82. Minute erzielte schließlich Alecsandro den 2:2 Ausgleich. „Oh Gott, jetzt ist Fluminense abgestiegen.“, dachte ich mir und wahrscheinlich viele andere auch. Atlético-MG traf in der Nachspielzeit sogar nochmal die Latte und hätte beinahe die Tragödie komplett gemacht.  
Nachdem aber sowohl Vasco, als auch Coritiba ihre Spiele gewonnen haben steht Fluminense jetzt gemeinsam mit Vasco auf einem Abstiegsplatz. Das heißt auch, dass mindestens ein Team aus Rio absteigen wird, denn Fluminense rettet sich nur, wenn man selber das letzte Spiel gewinnt und Coritiba und Vasco Punkte abgeben. Sollte Vasco am nächsten Sonntag in Curitiba gegen Atlético-PR gewinnen, dann ist Fluminense abgestiegen. Coritiba spielt auswärts gegen São Paulo und Fluminense in Salvador gegen das schon gerettete Bahia.


Mein Tipp ist ja, dass Coritiba und Fluminense gewinnen, da sie gegen Mannschaften spielen, für die es um nichts mehr geht und Vasco verliert, da Atlético-PR die Punkte braucht, um sich für die Copa Libertadores zu qualifizieren. In dieser Konstellation wären die beiden Cariocas, gemeinsam mit Ponte Preta und Náutico abgestiegen.

Mir kam es ja so vor, dass die Fluminense-Fans sogar ziemlich vergnügt durch den Regen heim gingen, nach dem Motto: „Die Situation ist schrecklich – uns egal – wir trinken weiter.“

Donnerstag, 28. November 2013

Flamengo – Atlético PR, 2:0


Gestern war viel los. Erst stürzte in São Paulo ein Kran an der Baustelle des neuen WM-Stadions ein und riss zwei Menschen in den Tod und Teile der Dachkonstruktion ein. Diese Nachricht ging natürlich in Windeseile um die Welt und entflammt erneut die Diskussion, ob Brasiliens Stadien rechtzeitig fertig werden. Hier ein Video.


Kurz danach kam die Nachricht vom Tod des zweifachen Weltmeisters Nilton Santos. Er war Teil des brasilianischen WM-Aufgebots in den Jahren 1950, 1954, 1958 und 1962. Bei den letzten zwei Gelegenheiten durfte er den Pokal in Händen halten. Nilton Santos spielte während seiner ganzen Karriere bei Botafogo in Rio de Janeiro. Er wird wegen seines Fußballwissens und seiner kompletten Spielanlage auch die Enziklopädie des Fußballs genannt.


Aber dann war da noch das brasilianische Pokalfinale, das hier mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird. Das Hinspiel in Curitiba ging letzte Woche 1:1 aus und somit genügte Flamengo gestern ein 0:0, um den Pokal in den Himmel recken zu dürfen.
Dementsprechend hoffnungsfroh machten sich die Flamenguistas auf den Weg zum Stadion. Ich nahm die U-Bahn etwa drei Stunden vor dem Spiel und sie kam einer Sardinenbüchse gleich. Auch rund um das Maracanã war viel los. Die Stadtverwaltung schleppte unzählige Falschparker ab. Ich verstehe ja nicht, warum die Leute immer noch mit dem Auto kommen müssen, obwohl bekannt ist, dass es keine Parkplätze mehr gibt.


Auf der Südseite wurde ein Teil des Gehsteigs mit Gittern für die Auswärtsfans abgegrenzt. Ich sah richtig viele Busse aus Curitiba ankommen. Diese wurden natürlich trotzdem mit Bechern und Flaschen beworfen. Aber am Gitter konnte ich mehrfach sehr freundliche Gespräche zwischen Atleticanos und Flamenguistas beobachten. Beide Vereine spielen in rot-schwarz und so kann man die Fans nicht so leicht auseinanderhalten.


Etwa eine Stunde vor Anpfiff begann sich die Situation zu beruhigen. Scheinbar folgten die Fans dem Aufruf der Stadionverwaltung und gingen früh ins Stadion. Das Spiel war mit 68.000 Zuschauern restlos ausverkauft, wobei nur 58.000 Zahlende vermeldet wurden. In Brasilien müssen Kinder unter 12 und Senioren über 65 keinen Eintritt zahlen. Dazu kommen die Plätze, die im Besitz der „Erbauer“ des Maracanã sind. Vor 1950 wurde der Stadionbau unter anderem mit großzügigen Spenden finanziert. Diese Spenderfamilien bekamen im Gegenzug auf ewig Plätze im Maracanã zugewiesen. Das ist im Übrigen auch ein großes Problem für die WM, denn die FIFA will dieses Recht dieser Familien nicht anerkennen.


Der Bereich dieser Plätze befindet sich direkt vor der Pressetribüne. Mehrfach konnte ich dort Auseinandersetzungen beobachten. Einmal haben sich die Fans mit Journalisten angelegt, dann mit stehenden Fans. Mir kamen die alle recht nervös vor. Die Eintrittspreise waren gigantisch hoch: R$100, R$250, R$350, R$500 und R$800 (also zwischen €32 und €253, wobei die billigste Kategorie für Auswärtsfans war. Flamengofans hatten als Mitglieder des Vereins die Möglichkeit günstigere Karten zu bekommen). Damit war das brasilianische Pokalfinale teurer als ein Champions-League-Finale.



Ein ausverkauftes Maracanã ist ein Erlebnis. Die Akustik ist der Wahnsinn. In der Fankurve wurde fleißig gesungen, während die anderen Besucher bei Ballkontakt Atlético nur pfiffen. Finde ich ja auch seltsam. Warum singen sie nicht? Das Spiel war eigentlich langweilig und es gab kaum Torchancen. Flamengo war sehr effizient mit seiner defensiven Taktik und ließ keine einzige Torchance des Tabellenzweiten Atlético-PR zu. In den letzten fünf Minuten gelangen den Hausherren dann noch zwei Tore nach Kontern, das zweite übrigens ziemlich Klasse. Danach kamen sich zwei Spieler in die Haare, die beide vom Platz gestellt wurden. Damit ist Flamengo nicht nur Pokalsieger, sondern auch für die Copa Libertadores qualifiziert. 

Montag, 25. November 2013

Flamengo – Corinthians, 1:0


Es regnet in Rio de Janeiro seit Tagen. Der Übergang von Winter auf Sommer ist typischerweise durch warmen Tropenregen gekennzeichnet. In den paar trockenen Stunden am Sonntag hat es meine Wohnanlage geschafft einen Grillnachmittag durchzuführen. So kann ich euch einen typischen brasilianischen Sonntag zeigen: erst grillen mit Freunden und Familie, danach Fußball. Beliebtes Grillfleisch ist in Brasilien Rinderrücken (Picanha), Würste, Hähnchenflügel und Hühnerherzen, meist am Spieß.


Mein Freund Lugui kam dann auch noch vorbei, um einen Caipirinha zu trinken. Aber um kurz nach vier machten wir uns auf ins Maracanã, um Flamengo gegen Corinthians zu sehen. Lugui ist Flamenguista und ganz glücklich, dass sein Verein im Pokalfinale ist. Da er sich die völlig überteuerten Finalkarten nicht leisten kann, schaut er sich seine Mannschaft in einem relativ unbedeutenden Ligaspiel an.


Beide Klubs spielen nicht mehr gegen den Abstieg und können auch die Libertadores-Plätze nicht mehr erreichen. Für beide Vereine ist diese Situation eigentlich eine Blamage. Der Weltpokalsieger Corinthians ist der Klub mit dem höchsten Budget in der brasilianischen Liga und bleibt mit einem 10. Platz weit hinter den Erwartungen zurück.


Flamengo lebt sowieso immer über seinen Verhältnissen. Ich habe wieder eine Fahne im Fanblock gesehen, auf der stand: „Flamengo – Das größte Imperium, das je existierte“. Das übersetzt die arrogante Selbstüberschätzung von Flamengo. Ein Verein, der sich in folgender Logik versteht: Flamengo = Größte Anhängerschar in Brasilien = Brasilien, Nabel der Fußballwelt = Flamengo, bester und größter Verein der Welt.


Bis heute lebt man in der Erinnerung der Mannschaft rund um Zico, die Anfang der 1980er den Libertadores- und den Weltpokal gewann. Wohlgemerkt: das sind die einzigen internationalen Titel von Bedeutung, die Flamengo je gewinnen konnte! Damit gibt es 12 Vereine in Südamerika, die mehr Libertadores gewonnen haben, 12 Vereine in Europa, die öfter die Champions League gewonnen haben und 16, die schon öfter den Weltpokal (darunter allein drei Brasilianer) gewonnen haben. Flamenguistas fühlen sich, wie die ersten in dieser Liste, dabei sind sie höchstens auf Platz 25 (zusammen mit 21 anderen Teams, die auch einen Titel vorweisen).


Wenn ein Flamenguista dann merkt, dass seine Mannschaft in der Titelanzahl nicht mithalten kann, dann verweist er auf die Größe der Fanmasse. Man schätzt etwa 30 Millionen Flamengo-Fans, was wahrscheinlich tatsächlich die größte Fanmenge weltweit ist. „Wir sind der größte Verein, mit der leidenschaftlichsten Fans.“, ist dann der Standartspruch.  
Knapp 30.000  (also 0,1% der Flamenguistas) wollten das „größte Imperium“ gestern sehen und damit war das Maracanã mal wieder bei Weitem nicht ausverkauft. Schon witzig, dass die großen und leidenschaftlichen Flamenguistas das Maracanã nicht voll kriegen. Viele von ihnen waren auch in der Fankurve gesessen. Es ist auch überraschend, dass so ein Verein hoch verschuldet ist. Insofern zählt Flamengo natürlich immer zu den Meisterschaftsfavoriten. Der aktuelle 11. Platz ist da eine absolute Enttäuschung.



Das Spiel war auch wieder schlecht. Der einzige echte Torschuss führte zum Siegtreffer Flamengos. Nach Spielende mussten wir durch den Regen zur U-Bahn laufen. Immerhin ist der Regen warm. Lugui musste sich natürlich wärend des ganzen Spiels meine Flamengokritik anhören – der Arme.

Donnerstag, 21. November 2013

32 Mannschaften für die WM qualifiziert


Gestern hat sich Uruguay als letzter der 32 Teilnehmer für die WM qualifiziert. Die Uruguayer haben es sich nicht nehmen lassen obiges Video ins Netz zu stellen und so schon mal ihren großen Nachbarn zu provozieren. Der Vollständigkeit halber eine Liste der 32 WM-Teilnehmer:

Europa: Spanien, Deutschland, Belgien, Schweiz, Niederlande, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Russland, Frankreich

Südamerika: Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Chile, Ecuador, Uruguay

Mittel-, Nordamerika, Karibik: Costa Rica, Honduras, Mexiko, Vereinigte Staaten

Afrika: Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria

Asien: Australien, Iran, Japan, Südkorea

Am 06.12.13 wird in Costa do Sauípe, ein Baderesort im Bundesstaat Bahia, die Auslosung stattfinden. Folgende Lostöpfe sind wahrscheinlich:

Topf 1: Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz, Uruguay

Topf 2: Niederlande, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Russland

Topf 3: Frankreich, Chile, Ecuador, Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria


Topf 4: Australien, Iran, Japan, Südkorea, Costa Rica, Honduras, Mexiko, Vereinigte Staaten

Mittwoch, 20. November 2013

Umsatz der brasilianischen Klubs

Diese Woche wurden die Umsätze der wichtigsten brasilianischen Fußballklubs veröffentlicht. Die Zahlen zeigen in erster Linie, dass die Formel „Geld schießt Tore“ nicht automatisch gilt. Von den 12 umsatzstärksten Klubs blieben acht hinter ihren Erwartungen zurück. Atlético-MG hat sein Soll erfüllt und nur drei Mannschaften konnten bessert als erwartet abschneiden. Am besten konnte der Meister Cruzeiro sein Geld investieren.


Verein
Umsatz in Millionen
Tabellenplatz

1.
Corinthians
R$ 358,5
9
-8
2.
São Paulo
R$ 282,8
8
-6
3.
Inter
R$ 252,8
11
-8
4.
Palmeiras
R$ 241,1
1 (Zweite Liga)
-17
5.
Flamengo
R$ 212,0
12
-7
6.
Santos
R$ 197,8
10
-4
7.
Atlético-PR
R$ 187,0
4
+3
8.
Atlético-MG
R$ 162,9
7
-1
9.
Fluminense
R$ 151,1
15
-6
10.
Vasco
R$ 139,4
18
-8
11.
Botafogo
R$ 122,8
5
+6
12.
Cruzeiro
R$ 120,3
1
+11


Unter den 12 umsatzstärksten Vereinen finden sich 11 der sogenannten 13 großen Klubs Brasiliens. Nur Grêmio und Bahia fehlen. Dafür ist Atlético-PR in die Liste gerutscht. Die Vereine aus São Paulo führen die Liste an. Ein Sonderfall ist Palmeiras, der viel in seinen Wiederaufstieg in die erste Liga investiert hat.

Montag, 18. November 2013

Fluminense – São Paulo FC, 2:1


Am viertletzten Spieltag liegen die Nerven blank. Der amtierende Meister Fluminense hatte unter der Woche sein Heimspiel gegen den Tabellenletzten Náutico gewonnen und hatte am Sonntag die Chance bei einem erneuten Heimspiel gegen São Paulo den Abstiegsrängen zu entfliehen.


Ich traf David Goldblatt, den Autor von „The Ball is Round – A Global History of Football”, in Copacabana. Gemeinsam gingen wir in die Favela Chapeu Mangueira in Leme. Dort wurde der Wirt David mit seiner Kneipe in den letzten Monaten berühmt für seine Kreationen. Wir bestellen panierte Würstchen mit Chips, Bier und unterhalten uns über CBF-Präsidenten, Fußballübertragungen im Radio und Brasiliens WM-Niederlagen.
Die Bar do David ist auf der Anhöhe einer Favela gelegen. Im Prinzip hat man von hier aus einen tollen Ausblick auf Copacabana, aber – passend zur Tabellensituation von Fluminense – war der Himmel grau und bedeckt. Mitten in unserem Gespräch kam dann so ein gewaltiger Regenschauer hernieder, wie er nur in den Tropen existiert. Wir flohen in das schützende Innere der Bar und waren erst einmal gefangen. Als der Regen nachließ machten wir uns mit Verspätung in Richtung Maracanã auf.


Es waren schon 20 Minuten gespielt und São Paulo war mit 0:1 in Führung gegangen, als wir das Stadion betraten. In der neuen Presseeingangshalle fand ich die Garrinchabüste, die im Oberrang abmontiert wurde. Hier ist sie aber etwas zu versteckt, für meinen Geschmack.


Das Spiel war fürchterlich schlecht. Immerhin waren 37.000 Fans gekommen, um sich mit ihrer Mannschaft gegen den Abstieg zu stemmen. Noch vor der Halbzeit gelang der Heimelf der Ausgleich. São Paulo war mit einer B-Elf angetreten, da sie am Mittwoch das Halbfinale des Copa Sulamericana (so etwas wie die Europa League) austragen werden. Der Sieger der Copa Sulamericana qualifiziert sich für die Copa Libertadores im nächsten Jahr. So konnte São Paulo im sicheren Mittelfeld der Meisterschaft schon mal auf ein paar Punkte verzichten.


In der Halbzeit wurde auf den neuen Großbildleinwänden angekündigt, dass der Star der 2010er Meistermannschaft Dario Conca zu Fluminense zurückkommt. Die Fans feierten die Nachricht. Es wird also scheinbar mit der ersten Liga geplant. Dazu musste aber zumindest dieses Heimspiel gewonnen werden. Die zweite Halbzeit war eine Qual. Es schien, als ob niemand gewinnen wollte. In der 90. Minute köpfte dann der Innenverteidiger Gum doch noch den 2:1-Siegtreffen für die Heimelf. Dadurch, dass Criciúma, Bahia und Portuguesa auch gewonnen haben, bedeutet das jedoch noch lange keine Entwarnung.


Zwei Dinge haben Brasiliens Fußballwelt diese Woche noch bewegt. Erstens gab es eine Protestaktion der Profispieler, die sich „Bom Senso“, etwa „Gesunder Menschenverstand“, nennt. Die Spieler fordern zum einen kürzere Regionalmeisterschaften, um so weniger Spiele austragen zu müssen, und zum anderen mehr Mannschaften in den unteren Ligen, um die kleineren Klubs aktiv zu halten.


Dazu nahmen die Spieler Transparente aufs Spielfeld und blieben eine Minute mit gekreuzten Armen stehen. In São Paulo kündigte der Schiedsrichter an die Aktion nicht zuzulassen und gelbe Karten zu verteilen. Nach kurzer Unterredung schoben sich die beiden Mannschaften (São Paulo und Flamengo) den Ball für eine Minute zu.

                         http://f.i.uol.com.br/folha/esporte/images/13317804.jpeg

Das zweite Thema ließ dann den gesunden Menschenverstand wieder völlig bei Seite. Flamengo verkündete die Eintrittspreise für das Pokalfinale gegen Atlético-PR. Es wurden Tickets in vier Preiskategorien angeboten: R$250 (€81), R$350 (€113), R$500 (€162), R$800 (€260). Am Donnerstag entschied dann ein Richter, dass es sich um Wucher handeln würde und legte folgende Kategorien fest: R$120 (€39), R$160 (€52), R$200 (€65), R$320 (€104). Immer noch teuer, aber nicht mehr ganz so wahnsinnig.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Flamengo schon knapp 30.000 Tickets verkauft und protestierte gegen die Entscheidung. Am Freitag gab ein anderer Richter Flamengo recht und bestätigte die ursprünglichen Eintrittspreise. Damit ist das brasilianische Pokalfinale teurer als das Champions League Finale. Der angeblich so volksnahe Arbeiterverein zeigt damit seine eklige Seite. Seine treue Anhängerschaft wird im Moment der Entscheidung schlichtweg ausgeschlossen.